Sommer, Hitze und Dürre

Dürre ist das neue Sommergefühl. Ich vermisse die duftenden Bauerngärten meiner Kindheit, als ich bei meiner Oma Lone im Rheinhessischen glücklich war. Frühmorgens erwachte ich bei schräg einfallendem Licht, das Bilder an die tapetenlose Wände malte. Es kam durch die Streben der schweren Holzläden vor den Fenstern. Natürlich durfte ich noch im Bett bleiben und ließ die Flecken auf dem abgebrochenen Putz Formen annehmen und Geschichten erzählen. Noch heute, über fünfzig Jahre später, habe ich den Geruch nach Erde, nach Obst wie prallen Brombeeren und frischen grünen Äpfeln, nach gemähtem Heu und dem, das aus den Kühen wieder herauskam, in der Nase.

Schwalben sausten durch die Luft. Ich durfte in der fast leeren Scheune mit einem Haufen Sand spielen, da war Schatten. Manchmal kam „es Rotche“ vorbei, eine kleine orange-rot gefleckte Katze, die niemand gehörte.

Es fehlte mir an nichts, denn gegenüber wohnte die zwei Jahre ältere Sonja, Tochter einer aus Ostpreußen geflohenen Familie. Kritisch beäugt, auch noch nach so vielen Jahren, von sämtlichen Nachbarn, obwohl sie alle äußerst fleißig und arbeitsam waren.

„Die sprechen ja so komisch“, hieß es.

Gemeinsam durchstreifen wir das hohe Gras, fischten unerlaubter Weise am niedrigen, aber schwarzen Bach, oder hielten an der Straße, die an Omas Zaubergemüsegarten vorbeiführte, Wache, ob vielleicht ein Lastwagen vorbeikäme. Dem wir dann – zu Omas Ärger – begeistert zuwinkten.

Abends holte ich in einer Blechkanne frische Milch vom Nachbarn. Der Duft war einmalig.

Auch damals war es sehr warm, manchmal heiß. Aber nicht wochenlang und nichts war ausgetrocknet und dürr.

Ich vermisse das einzigartige Aroma, die Witterung der Tiere, das Bukett der bunten Sommerblumen und das einfache Leben. Irgendwo gibt es das noch, ganz sicher.