Über Rezensionen, Blogger und Bewertungen

Alle paar Wochen, beinahe schon täglich, wird in Social Media eine weitere Sau durchs virtuelle Dorf getrieben. Seit einiger Zeit beschäftigt man sich besonders gerne mit dem Verhältnis Blogger zu Autoren und umgekehrt. Die gegenseitigen Beschimpfungen und Schuldzuweisen nehmen beinahe kriegsähnliche Zustände an und sind stets hochemotional. Dazu gebe ich keinen weiteren Senf ab.
Bei Instagram lese ich seit Langem Posts von Autoren und Bloggern, die keine Lust mehr (auch wegen des Theaters mit Algorithmus und Sichtbarkeit) haben und sich zurückziehen. Es sind derzeit viele Blogger verärgert, weil Amazon ihnen die Veröffentlichung mit den abartigsten Begründungen verweigert. Letztlich wird man damit erreichen, dass niemand mehr auch nur einen Pfifferling auf die Bewertungen gibt. Was schade für all die Rezensenten ist, die sich Mühe machen.
Was ich mich allerdings wirklich ärgert, sind die ständig wechselnden Gebaren des einstmaligen Buchhändlers Amazon in Sachen Sternenvergabe und Sternedurchschnitt. Besonders letzterer nimmt Einfluss auf Verkaufszahlen. Man sollte meinen, A. als Händler hätte ein gewisses Interesse daran, möglichst viele Produkte zu verkaufen, dem scheint aber doch nicht so zu sein.
Ein neues Buch. Es verkauft sich und hat nur gute bis beste Bewertungen. Nichtsdestotrotz steht der Sternenschnitt bei 3,5. Wegen der „ 1SternTrolle“ und weil Amazon Rezensionen löscht, sogar nicht mehr alle Rezensionen zulässt. Unter anderem von Leuten, die nicht genug, sprich für unter 50 Euro, beim großen A. kaufen. Was bedeutet das unterm Strich? Sieh als Autor zu, dass du möglichst viele Rezensionen bei A. bekommst, egal wie. Kaufen? Plattformen dafür schießen gerade wie Pilze aus dem Boden. Sogar mafiöse Strukturen, die Autoren anbieten, gegen einen gewissen Obolus 1 Sternbewertungen wieder verschwinden zu lassen …Hony soit qui mal y pense!
Ja, ich weiß, man versucht auch, allzu positive Freundschaftsbewertungen zu vermeiden, aber indem man schlechte zusätzlich noch hervorhebt? Was oft geschieht. Ein Rezensent stellt 5 Sterne mit Text ein, sogar, Amazon darf sich freuen, ein “verifizierter“ Kauf. Ergebnis: ein toller Schnitt. Dann haut ein anderer 1 Stern ohne Text dazu und – schwupps – senkt sich der Durchschnitt um 3-4 Punkte. Äh …gut, man muss ja nicht Alles verstehen.
Das ganze Verfahren seltsam und ungerecht.
Es ist daher tröstlich, dass echte Interessenten ins Buch schauen und den Klappentext lesen, bevor sie entscheiden.
Wenn A. so weitermacht, gibt bald niemand mehr auch nur 1 Cent auf Rezis. Das tut mir dann für die seriösen Blogger leid, die sich richtig Mühe geben. Ich verabschiede mich aus diesem Geschäft, keine Nerven mehr.
Es gibt ein Kinderbuch Projekt, für das ich mir Zeit lasse und dann Tschüss.

