Socialmediamüde

Ich bin socialmediamüde – nicht erste Mal seit heute und nicht ich alleine, ich weiß.
Anfangs waren wir alle begeistert, es machte Spaß und tatsächlich lernte man Menschen kennen, die man sonst nicht getroffen hätte. Der jämmerliche Rest, der übrig blieb, langweilt mich nur noch. Ein paar „Freunde“ sind zum Glück geblieben, ein paar Menschen, die ich spannend finde und/oder die ich irgendwie lieb gewonnen habe.
Was keinen Spaß mehr macht, ist die Oberflächlichkeit, das Desinteresse, die sukzessiv gewachsene Selbstbezogenheit.
Nicht, dass es die nicht vorher auch gegeben, Gott behüte. Doch hier wird sie erbarmungslos offensichtlich.
Nein, es macht keine Freude, einen Post hundertmal erklären zu müssen, nur weil die meisten nicht mehr als 3 Buchstaben von der Überschrift lesen können, aber sich offenbar zu einem Kommentar verpflichtet fühlen. Der dann oft schlicht falsch, häufig beleidigend, verletzend oder sogar bösartig ist.
Nein, es bereitet kein Vergnügen mehr, Jokes zu machen, wenn die Humorlosigkeit zur Grundmaxime geworden ist und nur noch unterirdisch dumme Zoten verstanden werden.
Nein, es macht keinen Bock, mit immer größer werdender Verwunderung beobachten zu müssen, wie Bilder – damals noch mit Photoshop, heute KI – als Mirakel der Kreativität gelobt werden, bei denen ein Blinder mit Krückstock sieht, dass sie Fake sind.
Menschen wollen betrogen werden, hieß es zu meiner Zeit. Sie wollen offenbar auch manipuliert und verarscht werden.
Auch das ist nichts Neues, diese Erkenntnis wendete man bereits vor 90 Jahren via Volksempfänger an und noch länger die Kirche über die Kanzel, mit großem Erfolg.
Aber was ist das nun?
Mit geiferndem Hass in ein Wunderwerk der Technik wie ein Smartphone, an dessen Entwicklung Ingenieure und Wissenschaftler beteiligt waren, seine Überzeugung zu tippen, dass Wissenschaft und linksversiffte Medien am Untergang der Welt verantwortlich seien – hey, wie deppat kann man sein? Ist das alles noch zu fassen?
Inzwischen finde ich es nicht mehr lustig, wie noch vor 1-2 Jahren.
Also starte ich jetzt auf meinem Blog eine Reihe für Menschen, die noch einen eigenen Kopf und Fantasie haben, Gedanken gerne zu Papier bringen möchten und sich damit ein wenig schwertun. Handwerkszeug in einem virtuellen Workshop, kostenlos. Auf geht’s im nächsten Blogbeitrag.

