Empathie und Hochsensibilität oder …

Man sagt den Deutschen gerne nach, sie nähmen sich selbst einfach viel zu wichtig. Ich wohnte einige Jahre im Ausland und habe insgesamt sehr viel mit Menschen zu tun, die keine „Biodeutschen“ sind. Daher erlaube ich mir, dieser Einschätzung zuzustimmen.

Über sich selbst lachen, sich selbst nicht so ernst nehmen, ist keine urgermanische Begabung, das können andere besser. Leider möchte ich sagen. Wobei es immer wieder strahlende Glanzlichter dieses einzigartigen Humors gibt, der einen davor bewahrt, völlig abzuheben und mit einem Schmunzeln am Boden der Tatsachen zu bleiben. Loriot zum Beispiel, HaPe Kerkeling, Gerburg Jahnke oder Maren Kroymann. In diese Kategorie der Selbsteinschätzung zählt meines Erachtens auch die so sehr beliebten, hochgelobten und häufig zitierten Eigenschaften Empathie und Hochsensibilität. Ihre Verwendung scheint besonders in sozialen Medien geradezu inflationär zu sein.

Beides geht mir granatenmäßig auf die – äh auf den Wecker. Warum? Weil sie verwechselt werden. Empathie ist nicht gleich Mitgefühl und hochsensibel häufig einfach nur überempfindlich.

Menschen, die empathisch begabt sind, haben es nicht einfach. Denn sie spüren mehr als sie häufig verarbeiten können. Das können auch negative Gefühle sein, die, da sie nicht ursprünglich aus der eigenen psychischen Verfassung kommen, zu starken Irritationen führen können.

Mitgefühl haben bedeutet auch nicht, ständig Mitleid haben zu müssen. Mitgefühl ist etwas, was den Menschen der modernen Zivilisation (falls man das noch so nennen darf) hierzulande immer mehr abhanden kommt. Narzissmus und Selbstüberschätzung sei Dank. Ich muss nicht ständig herumjammern und heulen, weil es so vielen anderen Mitwesen auf dieser Erde schlechter geht. Davon wird es nicht besser, und hat nichts mit Empathie und Hochsensibilität zu tun. Anpacken wäre da die deutlich klügere Alternative. Echte Hochsensible fühlen sich häufig als außerhalb der Gesellschaft stehend, als Nichtmitglied, als einsam und unverstanden. Was meistens auch zutrifft. Sie zweifeln oft und denken viel über ihre Umwelt nach, über die Menschen, mit denen sie leben. Überempfindliche dagegen lieben und pflegen vor allem ihre eigenen Befindlichkeiten und sind sehr diffizil mit allem, was nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen.

Eine ganz und gar andere Baustelle.

Bei beiden Gattungen unserer Zeitgenossen gilt auf alle Fälle: Mit ein bisschen mehr Selbstironie würden diese Mimosen besser fahren. Da sie jedoch in der Regel völlig humorlos (und damit auch ein wenig intelligenzbefreit) sind, bleibt dieser Wunsch wohl vergebens …

Auf unser aller Wohl, Santé.