Passgenau – was eine Straßenlegende erzählen kann

„Wie ein Tanz über die Straßen der Berge“, findet der Südtiroler Mediengestalter und Autor Jürgen Theiner eine Fahrt über das Stilfser Joch in einer bemerkenswerten Dokumentation von Alex und Daniel Milz. Sie wird am 6.12.2025 über Youtube uraufgeführt und an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Journalist und Reiseblogger Alex Milz ist seit Jahrzehnten stets auf der Suche nach dem Unentdeckten, dem Außergewöhnlichen, das er gerne mit seinem Zweirrad erfährt und später in Wort und Bild an Interessierte weiterreicht.
Wie gut er in dieser Disziplin ist, hat er nun ein weiteres Mal unter Beweis gestellt und diesmal zusammen mit Jürgen Theiner.
In einfühlsamer Weise schildern die beiden ihren Weg auf zwei Rädern über einen der berühmtesten Pässe der Alpen, der Weg dahin wurde in diesem Jahr, 2025, sogar zweihundert Jahre alt.
Theiner kennt die großartige Passtraße hoch zum Stilfserjoch wie seine Westentasche, kommt er doch gebürtig aus genau dieser Ecke der Alpensüdseite.
Im Film „Das Stilfser Joch – Abseits der Kehren | Ein Blick hinter die legendäre Passstraße“, erklären die leidenschaftlichen Kradfahrer, was den meisten Touristen und Pass-ionierten wahrscheinlich entgeht: Das Leben neben den Kurven.
In poetischen, ruhigen und kraftvollen Bildern erleben wir den Blick des und der Einheimischen, denn die Reportage lässt auch die Menschen zu Wort kommen, die mit und am Stilfser Joch leben. Zum Teil bereits seit etlichen Jahrzehnten.
Eindrücke werden lebhaft transportiert und sehr charmant mit historischen Aufnahmen untermalt.
Eigentlich ist es eine Art BioPic über einen Mythos, der diesen Namen zu Recht trägt. Man schaut erschüttert auf die Reste der Stellungen aus dem ersten Weltkrieg. Nicht nur Steinhaufen sind zurück geblieben, sogar bergeweise Blechdosen von Lebensmitteln, die bis heute in der Höhenluft verwittern.
An emotionaler Tiefe kaum zu übertreffen sind die Bilder vom Gletscher. Oder sagen wir besser, was von ihm übriggeblieben ist und wie wir ihn in einigen Jahren schon nicht mehr sehen werden. Fotos beweisen, wie sehr er alleine in den letzten zwanzig Jahren schrumpfte und machen traurig.
„Der Berg bricht auseinander“, meint Jürgen Theiner und zeigt, was von der grünen, blumenübersäten Schöpfung rund um die kleine Kapelle „Drei Brunnen“ von naturgewaltigen Moränen stehengelassen wurde.
Dieser Film ist eine Nahaufnahme eines erhaltenswerten Monuments in den Bergen, das drei Länder verbindet und dies hoffentlich noch lange tun wird.

