Wie man mit 50+ noch einmal eine Familie gründet

Die eine Tür schließt sich, die andere geht auf und aus einer sich zerfleischenden Blutsbande wurde eine bunte aufmerksame Patchworkfamilie.

Wie schnell sich alles ändern kann, wusste man natürlich auch schon vor Corona, außer, man hat in seinem Lebens nichts erlebt. Manch einem widerfährt dabei mehr als anderen, und ganz gewiss gehöre ich dazu.  Geplant war davon das Wenigste und gewollt sicher nur die Hälfte. Nach etlichen Katastrophen, die mich hätten komplett zerstören können wie das Zusammenleben mit psychisch kranken Menschen von Kindesbeinen an, der Verlust von Großeltern und Eltern in jungen Jahren, überstandene Verkehrsunfälle, tödliche Krankheiten und nichts zuletzt ein Hausbrand, bin ich noch immer nicht verbittert, sondern voller Hoffnung.

Das Nervenkostüm ist kaum noch das Beste, das gebe ich zu. Jammern ist für mich kein Lebenskonzept, das erstrebenswert scheint, es hilft auch nicht. Trauern dagegen ist erlaubt und muss auch sein. Noch immer suchen mich nachts Albträume heim, doch sie werden seltener. Nachdem jetzt nicht nur ich ein völlig neues Leben angefangen habe, sondern auch mein Mann etlichen Ballast von seinen breiten Schultern werfen musste, beginnt auch für den Junior etwas ganz Neues. Doch das Schönste an diesen ganzen Entwicklungen ist die Tatsache, dass wir endlich eine Familie haben. Hier sind zwar hauptsächlich nur einige Mütter und Kinder verwandt, aber es schert niemanden. Alles Individuen, alle sehr verschieden, aber uns vereint Sympathie, Toleranz und vorallem Respekt voreinander. Das kannte meine erste Familie nicht, und wird es auch nie.

Aber das ist glücklicherweise nicht mehr mein Problem.

Eure Viola

Bild: Pixabay