Von Missionaren, Schulmeistern und Besserwisserei

Angeblich sind wir Deutsche geradezu prädestiniert mit permanenter Besserwisserei unangenehm aufzufallen.

Man selber sieht sich selten dabei, wie man auf andere so wirkt. Meine Jahre in Südtirol jedenfalls gaben mir diesbezüglich schon zu denken. „Fare la dolce vita“ ist zwar auch nicht die Lebensgrundessenz der deutschsprachigen Bewohner diesen entzückenden Landes, aber durch gemendelt ist nach 90 Jahren schon ein wenig Italianità, besonders die Küche und die Lebensfreude betreffend.

Aber nie hätte mir einer meiner zahlreichen Freunde in Meran auch nur annähernd empfohlen, dies und sel und jenes doch wie er zu machen, man wüsste es einfach besser! Auch die Geschichte meiner Freundin Carmen werde ich nicht vergessen, die es doch tatsächlich wagte, durch den Fussgängerbereich unter den Lauben zu radeln und von einem deutschen! Touristen streng darauf hingewiesen wurde, dass man das aber nur bis 10 Uhr morgens darf.

Carmen las 10.30 auf ihrer Armband Uhr. Es ist etwas dran, an diesem „Vorurteil“ und gipfelt in guten Ratschlägen wie „das sage ich dir jetzt aber ganz ehrlich“ oder „ das ist natürlich jetzt deine Entscheidung“ oder, am besten, „du kannst ruhig machen, was du willst“ ….Na klar, was sonst.

Am schönsten finde ich immer noch das völlige Ignorieren persönlicher Grenzen und die dann folgende Quasientschuldigung: „He, jetzt nimm das doch nicht so persönlich“ – Wie denn dann, bitte schön? Ich mochte Dummgeschwätze noch nie, aber je älter ich werde, desto unsäglicher finde ich es.

Meine Zeit kann ich mir selber stehlen!

Eure Viola

Bild © Alex


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