Vom schlechten Zuhören und vielen Missverständnissen

Es mag ein Zeichen unserer Zeit sein, ausgelöst durch die Informationsflut, die tagtäglich größer wird und den unterschiedlichsten Medien, mit denen wir uns zudröhnen.

Vielleicht ist es aber nur falsch verstandene Freundschaft, wenn man, um Rat gebeten, die Botschaft des Freundes nicht richtig liest. Eigentlich ist man im Stress, der Schreibtisch quillt über, das Telefon klingelt, das Handy auch, Skype klopft an und das Emailpostfach scheint zu platzen. Jetzt kommt auch noch diese neue Post, und eigentlich möchte man ja helfen, denn man mag diesen Freund.

Rasch wird sie überflogen, Wichtiges dabei überlesen, schnell ein Urteil gebildet, und -schwupps- ist sie zurück gesendet, die eventuell viel zu voreilige Antwort. Das Gegenüber: erstaunt bis manchmal sogar verletzt. Man beginnt, sich in die Missverständnisse hineinzusteigern, wird zum Schluss sogar wütend, die Freundschaft schwankt.

Ist das nötig? Ist es nicht vielmehr besser, dem Freund zu signalisieren, dass man gerade nicht so auf das Problem eingehen kann, wie es sinnvoll wäre? Abwägen, nachdenken, überlegen – das sind Aktivitäten, die nichts mit sinnlosem, stundenlangem Herumgegrübel zu tun haben, sondern für die man scheinbar heutzutage Mut braucht. Mut, jemandem zu sagen oder zu schreiben: es tut mir leid, aber ich kann gerade nicht.

Menschen, die auf eine solche Antwort beleidigt reagieren, haben es gut – da sie offenbar keine anderen Probleme haben. Freundschaft bedeutet auch Auseinandersetzung, Stellungnahme zu einer vielleicht nicht ganz angenehmen Situation und vor allem Kommunikation. Fehlt diese, weil man sich nicht traut, zu oberflächlich interessiert ist, oder auf zu vielen Hochzeiten tanzt, kommen Missklänge auf.

Diese kann man klären, wenn man es wirklich will. Wenn man ein echter Freund ist.


1 Kommentar

  1. Liebe Viola, du hast es auf den Punkt gebracht ! Und ich muss Dich um Entschuldigung bitten für meine meist sehr kurzen Reaktionen bzw. für die simplen Facebook-„Klicks“ – die Informationsflut ist kaum zu bewältigen. Auch das dürfte eigentlich nicht als Freispruch für mich gelten, so hoffe ich trotzdem, dass die Freundschaft nicht unter dieser „Kürzelsprache“ leidet, der man nicht ansieht, dass man trotzdem aufmerksam die Mitteilungen und Beiträge liest. LG Ernst und von meiner hilfreichen Anita

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