Und kommt die goldne Herbsteszeit

Mit dem Sommer im September kommt auch bei uns in BW die Schule wieder zurück, auch die Geburt meines Sohnes jährt sich – zum siebzehnten Mal. Und wie jede Mutter frage ich mich: wo ist nur die Zeit geblieben?

Eine dumme Frage, da sie ja nicht einfach verschwunden ist. Gelebt, ja. Vergessen sowieso nicht, vorbei, ja. In einem Jahr also wird er achtzehn, wie oft habe ich mir das vorgestellt, als er als Baby in meinem Arm schlief, und so zerbrechlich und so klein, vorstellen konnte ich es mir überhaupt nicht. Jetzt habe ich einen großen, starken jungen Mann im Haus, der Kampfsport betreibt, weiß, was er will (wusste ich in seinem Alter überhaupt nicht), bald Abitur macht, und sicher nicht so ein langwieriges Exotenstudium auf sich nehmen wird, wie einst seine Mutter mit der klassischen Archäologie.

Und maße mir auch nicht an, darüber zu urteilen, welcher Weg der bessere ist. Meiner, auf dem ich mich von Ambitionen leiten ließ, auf dem ich bisher oft großes Glück, aber auch schwerste persönliche Verluste hatte. Oder seiner, den er versucht voraus zu zeichnen, sich Gewissheiten zu schaffen, direkte Ziele vor Augen, und im Wissen vorauszusehender großer Verluste. Da ich ihm vertraue, belohnt er mich mit dem Auslassen größerer Dummheiten, die uns beiden hätten schaden können. Und er vertraut mir, immer für ihn da zu sein. Im Wissen, dass sowieso alles immer anders kommt, als man sich das so ausgemalt hatte, wünsche ich mir einfach für die Kinder und jungen Leute, dass sie Liebe in ihrem Leben haben und ihren Weg finden – und so viele Schutzengel, wie sie mich noch immer tagtäglich begleiten.

Eure Viola

Foto: Günter Dürr


Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.