Tulpen aus Mannheimer Müll

In einem Mülleimer liegt ein frischer Strauß Tulpen, die Blüten zeigen nach oben, ein paar Blätter liegen auf dem Boden. Was mag passiert sein? Welche Geschichte erzählt der weggeworfene Strauß? Ein in letzter Minute abgesagtes Rendezvous z.B., ein vergeblicher Versöhnungsversuch, oder ist jemand versetzt worden?

Irgendwie sehen sie traurig aus, ihrer Bestimmung entrissen, so alleine und trostlos zwischen leer gegessenen Fastfoodtüten und benutzen Tempotaschentüchern. Sie scheinen gerade erst entsorgt worden zu sein, denn die Farben sind noch frisch, nichts ist verwelkt. Und sie berichten von irgendeinem gebrochenen Herzen, das nun mit seinem Besitzer in der Straßenbahn davon fährt, an deren Haltestelle sie in den festinstallierten Behälter gestopft worden waren. Oder sorgfältig gelegt?

Warum nicht danebengelegt, vielleicht hätte sich ja noch ein anderer Mensch darüber gefreut. Die Enttäuschung muss groß gewesen sein, oder war es eher Wut? Kein gebrochenes Herz, sondern ein wütendes? Da will man endlich einmal seine alte Mutter im Altenheim besuchen, hatte das auch angekündigt, ruft sicherheitshalber noch einmal an und erfährt, dass der verhasste Cousin schon am Bett sitzt? Oder doch ganz anders. Die Blumen waren gerade auf dem Markt gekauft und mit der Straßenbahn in Richtung Wohnung geschafft worden, als sich das Kleinkind der Sitznachbarin darüber erbrach. Weg damit, mit Schmackes in die Minitonne geschleudert.

Oder gibt es vielleicht noch eine ganz andere Geschichte dieser bunten Blumen, die unbrauchbar und unnütz geworden waren, ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllt hatten. Eine? Es gäbe viele Geschichten zu erzählen, die ein einziger verlassener und weggeworfener Strauß in einem Mülleimer anregt, zu überlegen.

Eure Viola

Bild © Günter Dürr


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