Noch mehr Veränderungen

Die Anthroposophen glauben, dass wir in einem System einer Veränderung, die sich ungefähr alle sieben Jahre in Körper und Geist vollzieht, leben.

Und tatsächlich begann die, nach der Geburt des Kindes mit 35, stärkste Umgestaltung in meinem sechsundfünfzigsten Lebensjahr. Eine Herz-OP, Verlust des wichtigsten Arbeitgebers, eine von einer unterirdischen Bosheit getragenen seelischen Verletzung, Existenzangst pur. Die Lösung: zum ersten Mal zugeben, dass man nicht mehr kann, Hilfe braucht.

Wie durch Zauberhand war sie plötzlich da. Doch ist eine Häutung schmerzhaft, meine war es auch. Bis die neue Haut wirklich nachgewachsen ist, kann es dazu noch dauern. Aber nun ist der Kokon wohl endgültig abgestreift, und der Falter macht seine ersten Flugversuche. Mit manchem hatte ich nicht gerechnet, aber durchaus etwas geahnt. Zum Beispiel die bedauernswerte Entwicklung des KSB Verlags, der nun liquidiert wird. Was konkret für mich bedeutet, dass der Vertrag für den zweiten Band meiner Meran-Krimi-Reihe hinfällig wird. Da ich allerdings ohnehin für einen, von mir geplanten dritten und vierten Fall mit diesem Verlag keine Zukunft sah, war ich zwar schockiert, aber nicht überrascht.

Die Überraschung lag dann in einem völlig anderen Umstand, nämlich der Tatsache, dass ich innerhalb weniger Tage einen neuen Herausgeber gefunden hatte. Von meinem Konzept ist man so überzeugt, dass sogar sechs Bände in Auftrag gegeben wurden – ich kann mich nach Herzenslust in Meran, auf Schloß Korb und Umgebung austoben.

 

Die guten Nachrichten sind noch nicht zu Ende

Mit einem tränenden Auge blickte ich auch meiner freien Mitarbeit beim Mannheimer Morgen hinterher. Ich war immer gerne Journalistin. Kurze Texte sind mein Ding, an der Uni hatte ich immer Schwierigkeiten, die fünfzehn Seiten für die Seminararbeiten vollzukriegen. Mehr nebenbei rief ich mal bei den örtlichen Tageszeitungen an und stellte mich persönlich vor. Die Kornwestheimer Zeitung war so glücklich über mein Aufschlagen in der Gegend, dass ich gleich supertolle Events zum Besprechen bekommen habe. Man hat Geld und steckt es – überaus ungewöhnlich in heutigen Zeiten und für Schwaben – in kulturelle Projekte.

Sogar die Stuttgarter Zeitung hat Interesse an mir, das ist ein wirklicher Knaller. Da Stuttgart insgesamt immer mehr auf Kultur setzt, bin ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben zum richtigen Zeitpunkt an richtigen Platz. Fünf Volkshochschulen wollen mich als Deutsch-Dozentin und einige für Schreibworkshops. Ich denke, über mangelnde Arbeit werde ich kaum beklagen können, zumal man mir auch die Pflege des Gartens an meinem neuen Zuhause übertragen hat.

Wer hätte das gedacht, zum Schluss wird doch noch einmal alles gut.

Eure Viola

Illustration: Alexandra Navrade