Monika Hauser

Trägerin des „Alternativen Nobelpreises“ 2008 Monika Hauser.

„Immer, wenn sie hier ist, muss ich irgendetwas unterschreiben, weil sie Unterschriften sammelt“, erzählt lachend der Künstler Jörg Hofer, der in Laas quasi ihr Nachbar ist und der sie schon sehr lange und gut kennt. Obwohl sie in der Schweiz aufgewachsen ist und in Deutschland lebt, schlägt ihr Herz für Südtirol, wo sie so oft sie kann, hinkommt. „Ich habe einen italienischen Pass, warum sollte ich das ändern“, meint die dynamische Ärztin. Allzu oft kommt sie aber nicht in die Heimat, denn die Gründerin der Organisation „Medica Mondiale“ hat einen äußerst straffen Terminplan, um all dies erreichen zu können, was sie erreicht. Und für so viel Engagement und Mut hat sie im Dezember den „Right Livehood Award“, der oft als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird, bekommen. Sie wurde ausgezeichnet für ihren unermüdlichen Einsatz für Frauen, die in Krisenregionen schrecklichste sexuelle Gewalt erfahren haben, und für ihren Kampf, ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung zu verschaffen, so die Begründung. „Für diese Ehrung danke ich der Jury des Awards. Und ich danke meiner Familie und meinen Kolleginnen auf der ganzen Welt, dass sie unsere gemeinsame Vision mittragen, um eine bessere Welt für Mädchen und Frauen zu realisieren“, mit diesen Worten bedankte sie sich während ihrer Rede in Stockholm.

In Südtirol war Monika Hauser im Februar 2009 und hielt nicht nur einige Vorträge in Bozen und Meran, sondern wurde in Laas noch einmal ganz besonders geehrt. Während einer Feier wurden dabei nicht nur die üblichen Ansprachen gehalten und Geschenke überreicht, sondern auch ehrliche Bewunderung einer Frau gegenüber zum Ausdruck gebracht, die sich mit ganzem Herzen und ganzer Kraft gegen Unmenschlichkeit und Gewalt einsetzt. Monika Hauser zeigte sich gerührt, und erklärte, dass dies eine wunderbare Ehre für sie sei und eine Stärkung für ihre weitere Arbeit. So hat sich auch im Vinschgau eine Initiativgruppe zu „Medica Mondiale“ gegründet, die zum Festakt in Laas vorgestellt wurde. Auch wenn es eigentlich unglaublich ist, dass alle diese Grausamkeiten, diese Gewalt und diese Verbrechen erst durch politische Entscheidungen verfolgt werden können, und nicht selbstverständlich als das gelten, was sie sind. Monika Hauser, immer noch lange nicht am Ende ihres steinigen Weges angekommen, zu tun gibt es – leider – immer noch viel zu viel. Uns hat die Preisträgerin dazu einige Fragen beantwortet.

F.: Sexuelle Gewalt an Frauen – könnten politische Entscheidungen helfen oder gelten solche Gewaltverbrechen noch immer zu oft als Kavaliersdelikte?
A.: Ja, politische Entscheidungen können helfen, wie z. B. die UN Resolution 1820: da wurde ganz klar festgeschrieben, dass diese Gewalt schwere Menschenrechtsverbrechen sind. Wenn diese Resolutionen allerdings nicht umgesetzt werden, wie m Kongo, nutzen sie den Frauen leider nicht sehr viel. Öffentlichkeit kann dabei sehr viel helfen, deswegen betreiben wir so viel Aufklärung, wie wir können, auch wenn das eine wirkliche Sisyphusarbeit ist. Es gibt nicht genug Interesse bei den Medien, es gibt Widerstände in einer noch immer von den Männern beherrschten Welt, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, sie werden aktiv ausgegrenzt. Man muss dabei auch aufpassen, dass die Berichterstattung von Kriegsverbrechen nicht instrumentalisiert wird, denn auch in unseren westlichen Ländern gibt es noch sehr viele Gewalt gegen Frauen, nicht nur bei den Migranten, sondern bei Heimischen genauso. Aber die Frauen haben sich dennoch in der Zwischenzeit viele Räume erobert, die Entwicklung zu einer echten Gleichberechtigung ist langsam, aber nicht aufzuhalten. Frauenpolitische Arbeit lief in den Achtziger-Jahren besser, es gab zu Beginn der Neunziger Jahre einen Backlash, den es nun wieder aufzuholen gilt.

F.: Finden Sie in dieser Zeit der Verunsicherung durch Wirtschaftskrisen immer noch offene Ohren in diesen Regionen der Erde wie Mitteleuropa, die trotzdem zu Spenden bereit sind?
A.:Nein, einen Spendeneinbruch gab es zum Glück nicht, allerdings muss ich sagen, dass wir insgesamt noch zu wenig Spenden haben, für all die Arbeit, die gemacht werden muss. Meistens kommen die Spenden von Frauen, manche haben gar nicht viel, aber spenden regelmäßig, manche können mehr geben. Aber es gibt auch Männer, die uns helfen. Unabhängigkeit wäre natürlich für uns das Größte.

F.:Was gibt Ihnen Kraft?
A.: Einiges, vor allem aber der Erfolg. Wenn ich höre, dass Frauen, denen wir helfen konnten, die Hilfe nicht nur angenommen, sondern weiter entwickeln haben, das gibt Kraft.

F.:Kann Kunst oder könnten Kunstprojekte den terrorisierten Frauen als eine Art Überlebenshilfe behilflich sein, gibt es womöglich schon Projekte solcher Art?
A.:Ja, es gibt eine Theatertherapeutin von uns in Albanien, Frauen, die fotografieren, oder Maltherapien. Kunst ist eine andere Form der Kommunikation, wenn einem die Worte fehlen, denn darüber zu sprechen, was einem widerfahren ist, ist oft sehr sehr schwer. Die Medien gehen nämlich oft nicht gut mit traumatisierten Frauen um, weshalb wir auch Schulungen für Journalisten anbieten. Aber sich überhaupt ausdrücken zu können, sei es auf der Bühne, bei Musik oder Malerei ist sicher ein gute Möglichkeit, nicht zu erstarren.

F.: Wie hoch ist denn Ihr Anteil an der Entstehung der Vinschgauer Initiativgruppe von „Medica Mondiale“ ?
A.: Das ist eine schwierige Frage, weil die Frauen eigentlich alles alleine gemacht haben. Sie wollten einfach Monika Hauser unterstützen. Das war alles.

Frau Hauser, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch!

Erschienen in der Südtirolerin und im Kunstportal Ba-Wü