Mein alltäglicher Wahnsinn

Ich bin Freiberuflerin, war es schon immer. Eigentlich eher zufällig.

Ursprünglich, vor geschätzten hundert Jahren, hatte ich in meiner Heimatstadt Mainz vier Semester evangelische Theologie und Latein auf Lehramt studiert, wollte Lehrerin werden auf den Spuren meines hoch verehrten Vaters. Altphilologe, Dichter, Sprachkünstler, Narzisst und Charmeur. Als nach den vier Semestern klar wurde, ich bin nicht für den Frontalunterricht gemacht, ging ich meiner Neigung für die Kultur des Altertums nach.

Das schöne Heidelberg und seine über achthundert Jahre alte Universität waren das Ziel meiner Träume, wo ich dann viele viele Jahre, zuviele, Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Latein bis zum bitteren Ende studierte. Gleichzeitig aber versuchte ich mich erfolgreich als Praktikantin einer Wochenzeitung und merkte bald, das ist mein Ding. Nach dem Abschluss meines Studiums kam zufällig das Angebot des Wegs, editor-in-chief eines lokalen englischsprachigen Magazins zu werden. Das lief gut, bis der Herausgeber nach Spanien umzog und ich glücklicherweise sehr schnell zur Chefredakteurin einer hiesigen Lifestyle Zeitschrift avancierte.

 

Das Rhein-Neckar-Dreieck

Leider ging dies nicht lange gut, da die Chefin und ich sehr unterschiedliche Vorstellungen über den Inhalt des Heftes hatten, wobei ihr Dessousmoden wichtiger als meine Berichte über die hiesige Kulturszene erschienen. Inzwischen war mein Einundalles geboren, ich verheiratet und als freie Journalistin für das beste Feuilleton des ganzen Rhein-Neckar-Dreiecks unterwegs. Wunderschöne Zeiten, das Heranwachsen des Kindes zu erleben und gleichzeitig in einer Redaktion für ein kleines, aber feines Magazin arbeiten zu dürfen, in dem wir alle unsere Ideen ausleben konnten.

Dann zogen wir nach Südtirol und ich schrieb dort für ein Hochglanzmagazin Künstlerporträts und Vernissagenberichte aus Meran, was mich schnell bekannt machte. Facebook trat in mein Leben und mit ihm der vor drei Jahren viel zu früh verstorbene Literaturagent Kurt Heering. Ihm habe ich viel zu verdanken, denn er entdeckte mein Talent zum Geschichten-schreiben und motivierte mich zu meinem ersten Buch, der „Bar Sevilla“. Doch dort zerbrach auch meine ohnehin schon wackelige Ehe, und ich zog nach fünf Jahren mit meinen damals Teenagersohn zurück ins Delta, diesmal nach Mannheim.

 

Schriftstellertum

Ich erfand mich komplett neu und bin seit einiger Zeit mehrgleisig unterwegs, wobei das Schriftstellertum immer mehr in den Vordergrund rückt. Seit Abschluss meines Studiums bin ich Freiberuflerin, und seither kämpfe ich. Mal verdiente ich gutes Geld für einen Zeitschriftenverlag in München als PR Texterin und bestes Pferd im Stall, mal bange ich, in wie vielen Monaten ich dann endlich doch bankrott sein werde. Ein täglicher Kampf, an dem ich manchmal zu zerbrechen fürchte, aber irgendetwas, nicht zuletzt mein Sohn, der noch bei mir wohnt, gibt mir Kraft. Wahrscheinlich ist es die Liebe, zum Leben, zur Freude, und der feste Glaube daran, dass ich nicht untergehen werde.

Eure Viola

Illustration: Alexandra Navrade


1 Kommentar

  1. Lissi.Mair

    Ja, liebe Viola. Du wirst nicht untergehen. Grosses Kompliment. Mach weiter so und glaub an dich. Dicke Umarmung. Lissi Mair

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