Liebe und Freundschaft in Zeiten der Not

Es ist eine alte Weisheit, dass sich in Zeiten der Not die Spreu vom Weizen trennt, menschlich gesehen.

Wohl dem, der über gute Freunde und Familie verfügt. Die einen Schutzschild bauen, eine Reißleine bilden, einen doppelten Boden unterlegen, die einen tragen. Denn manchmal kommt alles zusammen, eine Fehlentscheidung folgt der anderen, wer sich aus Angst nicht zu stellen vermag, flüchtet gerne in Traumwelten. Erkennt manchmal das böse Spiel nicht, dass ausgerechnet dann mit einem gespielt wird, wenn man geschwächt auf dem Rücken liegt und den ungeschützten Bauch nach oben streckt. Blind aus Liebe, Projektionen aus Furcht und Hoffnung, man könnte gerettet werden, weil man meint, selber keine Kraft mehr zu haben. Sich dazu noch verbiegen, weil man sich irrtümlicherweise geliebt glaubte, und doch nur schamlos ausgenutzt wurde. Ausgewrungen und weggeworfen wie ein alter Putzlappen. So richtig auf den Boden knallen tut weh. Die Katharsis auch.

Doch liegt darin nicht auch eine unglaubliche Chance, einen kompletten Neuanfang zu wagen, gerade wenn man nicht mehr richtig jung ist? Vorsichtig tapsen und schauen, was einem gut tut. Der Arm um die Schulter und die rationale Analyse, beides kann durch das Tal der Tränen helfen. Den Weg wieder finden, Klarheit erreichen, frischen Mut fassen und Möglichkeiten erkennen, die man vorher geflissentlich übersehen hatte. Alte Muster durchbrechen, auch wenn es mit Schmerzen verbunden ist. Narben werden bleiben. Manche Brüche heilen nie vollständig. Aber sie machen eine reiche Seele aus, Tiefe und Demut, wenn man nur gelernt hat und dankbar für das bleibt, was einem Leben geschenkt hat. Neues Spiel, neues Glück, und das Karussell geht weiter. Gut, wenn man Herzensfreunde hat, das einzig wahre Gold im Leben eines Menschen.

Eure Viola

Illustration: Alexandra Navrade


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