Hoffnung

Ein Flugzeug fliegt vorbei, weit oben im meerblauen Herbsthimmel. Ich erinnere mich an die Oktoberhimmel während der Zeit, als ich in Südtirol lebte. Ein unglaubliches tiefes Blau, mit den Resten der längst vergangenen Sommerhitze und den ersten Andeutungen des stahlfarbenen Winters. Blau. Demnächst eröffnet in der Nachbarstadt Schwetzingen sogar das Museum Blau.

Eine weitere Erinnerung: die Yves Klein Ausstellung zu dieser Farbe in Heidelberg, Anfang der Neunziger Jahre. Sehr beeindruckend. Sie ist die Lieblingsfarbe vieler Menschen, vielleicht gerade wegen ihrer Tiefe und ihrer Ruhe, der Klarheit. Die Seele kann fliegen, weit ausholen, sich entfalten. Der Geist umarmt die Wolken, manchmal verliert er sich auch in ihren aufgetürmten Gebirgen, ihren vielfältigen Formen und löst sich mit ihnen auf. Nirvana.

Wir wünschen uns in unseren hektischen Leben Harmonie und Ausgeglichenheit, kaum möglich in einer Zeit der Rohheit, des Informationstsunamis, des allgemeinen gesellschaftlichen Narzissmus  und Fehlen von emotionaler Intelligenz. Blau verbinde ich mit Intuition, aber auch mit Kühle oder Glaubwürdigkeit, blaue Augen können viel weniger über den seelischen Zustand ihrer Besitzer verbergen als braune, denn oft changieren sie zwischen grau und blau, zwischen abweisend-kalt bis warmherzig-zugewandt.

Song song blue, Neil Diamond; Blue eyes, Elton John; Nel blu, dipinto di blu
felice di stare lassù, Domenico Modugno; Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte, Mörike und so weiter. Blau regt an zum Träumen und Dichten, blueprint ist nur ein Entwurf im Englischen.

Ich hänge gerade ein Bild an die seitliche Wand neben meinen geliebten Art Deco-Schreibtisch, das mir einmal eine Bekannte, ihres Zeichens Malerin, geschenkt hatte. Eine Frau steht am Meer, das in Blaugrüntönen über das gesamte Bildfeld hinweg ihren Blick, man sieht sie nur von hinten, auf sich zieht. Meine – braunen- Augen schminke ich gerne mit dunkelblauem Kajal, an besonderen Gelegenheiten sogar ein wenig blauer Mascara.

Nachdem ich meinen Kopf durch den Blick in den tintenfarbenen Himmel von Trübsal und überflüssigen Analysen über Dinge, die nun einmal so geschehen sind, wie sie geschahen, befreie, komme ich wieder auf den goldenen Herbstboden zurück und atme durch. Und ganz zum Schluss ist Blau doch die Farbe der Hoffnung, wie schön, dass der Himmel über Deutschland gerade jetzt so wunderbar blau ist.

Eure Viola


1 Kommentar

  1. Sighard Wacker

    Rosengeschmack von Viola Eigenbrodt
    Der Maler Erwin Tschurtschenthaler ist verschwunden. Er war zu vielleicht irgendwo unterwegs, vielleicht war er auch ganz woanders, geschäftlich, wandern oder sonstwo. Eine Welt von Künstlern oder Lebenskünstlern, Rauschgift und Homosexualität eröffnet sich hauptsächlich in Bozen. Seine ebenfalls, trotz Blindheit, sehr erfolgreiche Frau Magdalena ist entsetzt und stellt sich der Polizei um eine Anzeige zu machen. Während der Maresciallo Franco den Fall sehr ernst nimmt, misst die Commissaria Lolita diesem kaum eine Bedeutung zu. Als zwei scheinbar gerade erst entstandenen Aquarelle des vermissten Malers auftauchen, tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln. Einzig Galerist Gasser hat da eine bestimmte Vorstellung. Erzählt wird eine ziemlich unmögliche Geschichte, die wohl auch im Schloss Hotel Korb bei Bozen spielt. Spannung und Kaummögliches, Orte der Handlung sind Meran, Bozen, Schloß Korb bzw. Schloß Boymont und Innsbruck. Viel Bekanntes aus einer mir vertrauten Welt und doch ganz andere Vorkommnisse aus der Phantasie der Autorin geboren oder aus der Realität stammend, – das wird letztlich ein großes Geheimnis bleiben.

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