Freudscher Verwähler

Sie kennen das – zum Telefonhörer gegriffen und in Gedanken gewählt. Entweder hat man versehentlich die Wiederwahltaste erwischt oder sich vertippt, auf alle Fälle ist plötzlich ein Freund und Bekannter am anderen Ende. Mit dem man eigentlich gar nicht hatte sprechen wollen, peinliches Gehüstele folgt einer Schrecksekunde.

Nach Entschuldigung und Erklärung, unter verlegenem Lachen entwickelt sich nun über Stunden über Stunden ein Gespräch, man kommt von Hundertste ins Tausendste und hat am Ende sogar noch einen seelischen Striptease hingelegt. Bis man bemerkt, dass man doch ursprünglich etwas ganz anderes vor gehabt hatte, ein geschäftliches Gespräch, eine Termin Zu- oder Absage, oder vielleicht auch nur den Pizzaservice anzurufen. Man verabschiedet sich freundschaftlich, dann verwundert der Telefonhörer wieder aufgelegt, man hatte schon beinahe vergessen, wer der eigentliche Adressat der fernmündlichen Botschaft gewesen war.

Gut gelaunt bleibt im Bauch ist ein warmes Gefühl (auch ohne Pizza), Glückshormone überschwemmen einen, man fühlt sich verstanden und aufgehoben. Vielleicht hat ja das Unterbewusstsein gewählt und genau die Person herbei gezaubert, die gerade richtig war, ein Freudscher Verwähler sozusagen …

Eure Viola

Bild: Anja Schweppe-Rahe  / pixelio.de


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