Flirten im Zeitalter der Smartphones

Zugegeben: die Verfasserin dieses Blogartikels ist nicht mehr die Jüngste. Was bedeutet, dass sie in einer Zeit aufgewachsen ist, in der die Idee, mittels eines kleinen Telefons in der Jackentasche überall erreichbar zu sein, so fern schien wie die unendlichen Weiten des Weltraums. Den Kommunikator bei Raumschiff Enterprise fanden wir damals alle toll, doch eben Zukunftsmusik. Ist ein paar Tage her.

Früher, als man noch nicht in die Flirtschule musste, um zu wissen, wie man unauffällig mit einem Gegenüber Kontakt aufnimmt und ein gewisses Interesse bekundet. Schöne Beispiele dafür sind Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nicht totenstarr über das Handy gebeugt saß man auf seinem Sitz und schaute zum Fenster hinaus, vielleicht in Gedanken über das Leben, die nächste Klassenarbeit, den Einkaufszettel oder ob die Herdplatten auch aus sind, vertieft. Und plötzlich schaute man auf. Oh, der guckt mich ja an! Kurzes Checken, ein paar Sekunden, und der Würfel war gefallen.

Es geht los: bin ich völlig desinteressiert, gucke ich den Rest der Fahrt stier aus dem Fenster. Früher reichte das im Allgemeinen. Gefiel aber das Wesen, wurde sofort wieder aus dem Fenster geguckt, je nach Attraktivität des Gegenübers mit roten Wangen oder cooler. Nach ein paar Minuten ein weiterer Augenkontakt. Vielleicht ein scheues Lächeln. Am Ende hat er gar nicht mich gemeint, sondern jemand hinter mir – wie peinlich! Doch er lächelt zurück. Nun sind die Wangen aber wirklich rosé angelaufen. Die Lider werden gesenkt, und dann wieder gehoben. Er grinst inzwischen. Nun darf zurück geflirtet werden, denn nichts anderes bedeutet das. So kann das hin-und hergehen, eventuell setzt er sich dazu, oder steigt gar gemeinsam mit einem aus, spricht einen an.

Sehr gut funktionierte das auch schon an der Haltestelle oder im Supermarkt, beim Verweilen vor einem Schaufenster oder Spaziergang im Park, Entenfüttern war da der Hit. Natürlich auch das Zugabteil, bevor es die Großraumabteile gab.
Heute traut man sich nicht einmal mehr, an einer Person vorbei aus dem gegenüberliegenden Fenster zuschauen, ohne dass diese gleich misstrauisch wird.

Und ehrlich Leute, Flirten in virtuellen Welten macht lange keinen solchen Spaß, weil du nie weißt, wer sich in Wirklichkeit hinter dem Profilbild verbirgt. Also, habt Mut und lächelt wieder öffentlich, es muss ja nicht gleich eine Ehe daraus werden …

Eure Viola

Illustration: Alexandra Navrade


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