Ein Mainzelweibchen in Leonberg

Reflexionen einer Neigeschmeckten zu schwäbischen Traditionen und Eigenheiten

Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache, sich auf Weihnachtsmärkten durch Menschenmassen zu quetschen, jeder Zeit hohen Gefahren ausgesetzt zu sein. Wie zum Beispiel heißen Glühwein in den Mantelkragen geschüttet zu bekommen oder gar das mühsam zusammengesparte Scherflein für adventlichen Tand auszugeben.

In meiner Heimatstadt Mainz wird der Weihnachtsmarkt schnell zusammengedampft zum „Weinmarkt“, den es in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt natürlich auch gibt, oder sollen wir sagen, abseits der Meenzer Fassenacht eigentlich das ganze Jahr über. Die Lizenz zum Saufen bereits ab 11 Uhr, das begeistert! Rottenweise aneinanderklebende Trauben von Glühweinverehrern, anders kann man sich diese Vorliebe für ein so klebrigsüsses Heißgetränk ohne nennenswerten Alkohol kaum erklären, finde ich jedenfalls im schönen Strohgäu nicht. Dafür aber originellere Idee wie den kleinen Mittelaltermarkt mit Feuerartisten in Weil der Stadt oder eine festliche Tafel, die in Rutesheim die Landfrauen lecker bestückten. In Heimsheim sorgt alleine schon das Ambiente für Romantik pur, und die Krippeneröffnung in Malmsheim ist über die Grenzen hinaus bekannt.

Christbaumschmuck anno dunnemal fand ich auf dem wirklich schönen barocken Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg. Zwischen den Buden bummeln die Ureinwohner dieser Gegend, gönnen sich vielleicht einmal eine heiße Milch mit Schuss – so gesehen auch in Weil der Stadt – aber hauptsächlich machen sie eines: sie betrachten, gucken, mustern, und genießen den Duft nach frischen Waffeln mit Zimt, während die Kinderlein singen oder der Posaunenchor himmlische Weisen spielt. Etwas kaufen? Um Gotteswillen …es reicht doch, wenn man sieht, was man alles nicht braucht!

Eure Viola