Die Geheimnisse des Flusensiebs

Schließlich war es soweit: Haarnester und Taschentuchreste auf der frisch gewaschenen Wäsche sorgen für Frust beim Entladen der relativ neuen Waschmaschine. Der zur sofortigen Rede gestellte Sohn schwört beim Leben seines Kung-Fu Meisters, keinerlei zerknüllten Papierfetzen in den Hosentaschen vergessen zu haben, und schließlich sei er ja auch kein Baby mehr.

Stimmt, besonders das Einräumen abgegessener Teller in die Spülmaschine stellt für 17 ½ Jährige ein größeres logistisches Problem dar, und kann auf keinen Fall freiwillig übernommen werden, man könnte sich unter Umständen die Hände schmutzig machen. Selbstverständlich besitzen wir weder Bad noch Seife … Nach längerem Rätselraten, was passiert sein könnte (kleine Krallmonster sitzen in der Trommel, tackern Haare, Fuseln und sonstiges Ärgernis an den Klamotten fest, während sie sich fies kaputt lachen) kommen wir auf die Idee, vielleicht doch einmal das Flusensieb zu untersuchen, was bisher vermieden worden war.

Hat unsere Waschmaschine überhaupt ein selbiges, überlegt der fleißige Sohn und versucht, sich in Richtung Lounge (sein Zimmer) zu entfleuchen. Ein kurzer Blick genügt, und wir wissen, ja, sie hat eins. Was tun, sprach Zeus. Na, wir könnten es ja einmal öffnen, gibt meinereiner zu bedenken, und schon ist das Türchen auf. Auf der nun folgenden Senatssitzung kommen wir zum einhelligen Beschluss, nicht nur die Klappe, sondern den sich dahinter befindenden Verschluss ebenfalls zu entriegeln.

Bevor dies jedoch geschieht, übermannen uns seltsame Visionen: Was geschieht, wenn man das Flusensieb aufmacht: Kommen all die Socken zum Vorschein, die die Waschmaschine bisher gefressen hat oder gar andere mysteriöse Geheimnisse? Entdecken wir gemeinsam den heiligen Gral, das Gold der Azteken, den Yeti oder am Ende Paralleluniversen? Fragen über Fragen hindern uns, den mutigen Schritt zu wagen. Als nach der nächsten Fuhre noch mehr ungebetene Gäste unsere Wäsche zieren, schreiten wir entschlossen zur Tat: ein altes Handtuch wird ausgebreitet und klopfenden Herzens der Schlund zum Mittelpunkt der Erde aufgesperrt.

Was neben etwas Wasser zum Vorschein kam, waren ein paar angerostete Centstücke und kleine Wollmäuse – und keine Rheintöchter.

Eure Viola

 


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