Der Buchhandel

Der Buchhandel nimmt nachwievor Bücher eher wahr, die über einen Verlag entstehen. Das hat Gründe, unter anderem, dass ein Buchladen vom Verlag Verkaufsexemplare bekommt, die er gegebenenfalls wieder zurückgeben kann, ohne dass ihm Kosten entstehen. Das geht bei Self Publishern nicht. Für Rezensionen in der Presse, eines der wichtigsten Verkaufskriterien, gilt ähnliches. Da werden SP noch immer kritisch beäugt. Zum Teil zu Recht. Denn was da angeboten wird, ohne Lektorat, geschweige denn Korrektorat, ist manchmal himmelschreiend.

Das Ebook ist in sehr vielen Fällen der moderne Nachfolger der Groschenromane, der Inhalt immer wieder derselbe, nur die Verpackung ein wenig anders. Es ist nur tausendmal einfacher als früher. Damals musste selbst für den Arztroman ein Verlag gefunden werden, heute kann sich jeder Autor nennen, der einen Rechner und ein Schreibprogramm zu Hause hat. Okay, dafür gibt es eben ein Publikum, damals wie heute. Eine Frage der Nachfrage und des Angebots eben, sich wegbeamen mit billigem Schund, das Bedürfnis scheint auf ewig vorhanden, auch wenn es 100 000 Mal dasselbe ist. Noch nicht einmal deutlich erkennbare Unterschiede im Inhalt sind dabei erkennbar. „Literatur“ als Fast Food für den kleinen romantischen Hunger. Alles hat seine Berechtigung, natürlich auch diese Unterhaltungssparte.

Früher waren die Heftchen genauso wenig im Buchhandel zu erstehen noch wurden sie in der Zeitung rezensiert. Ärgerlich wird es nur für die Autoren, die für ein originelles Manuskript, für das sie keinen Verlag gefunden haben – und das ist die Kehrseite der Medaille – die Selbstpublikationen wählen und damit in den Nimbus des Preiswertigen und Austauschbaren einbezogen werden. Die Verlage geben vor, was zu schreiben ist, bis in das allerkleinste Detail. Romance zum Beispiel. Welche Berufe sollen die Hauptprotagonisten haben, wo vorzugsweise wohnen und wie, welche erotischen Neigungen, welches Alter sollen sie haben, wie gekleidet, wie viele Kapitel bis zum ersten Knaller, und so weiter. Nach Schema F, eine Matrize für die Kreativität. Sofern man überhaupt noch von einer solchen sprechen kann. Unterhaltung. Egal, in welcher Branche der Kultur, es zählt nur noch Unterhaltung, denn Unterhaltung heißt: Mammon. Sich die Taschen voll machen, stopfen, solange es noch geht, mehr und mehr und mehr. Der Zusammenbruch liegt in der Luft, räumen wir eben noch ab…

Last but not least: niemand kann vorher sagen, ob ein Buch ein Erfolg wird oder nicht. Das sollte aber eigentlich  nicht das Kriterium eines Schriftstellers sein, sondern einzig und allein, ob da etwas in einem ist, dass unbedingt geschrieben werden möchte. Das nenne ich wahre Kunst, die einzige, die ich wirklich anerkennen kann. Egal in welchem Genre.

Eure Viola