Das fehlende Kapitel – Teil V

Eine magische Geschichte für mein Buch „Bar Sevilla“, die aus Platzgründen nicht veröffentlicht wurde, hier nun in Fortsetzungen.

Sie galten als eines der schönsten, aber auch als eines der verliebtesten Paare der High Society. Alle Intrigen waren vergebens, alle Schmähreden glitten an ihnen ab, ein Fels in der Brandung ungeliebter und zutiefst frustierter Menschen. Diese mussten einsehen, dass Geld allein eben nicht glücklich macht. Ihr Glück machte viele neidisch, denn sie lebten es offen aus. Bei einem Abendessen auf Sardinien hatte er den gesamten Weg von ihrer Villa bis zum Restaurant mit tiefroten Rosen bestreuen lassen. Im Restaurant waren sämtliche Vasen, die gefunden werden konnten, mit weißen Rosen bestückt, auf ihrem Tische lag eine Tischdecke aus roten Rosen. Er wusste, wie sehr sie Rosen liebte, besonders rote. Man flog gemeinsam nach New York City zum Shoppen. Helga bekam ein Collier von Harry Winston im Wert von rund einer Million Dollar. Er trug sie auf Händen, er hätte alles für sie getan und sie für ihn.

Ihre fast unfassbare, große Liebe war ihnen für eineinhalb Jahre geschenkt worden, dann starb Frederick, sehr plötzlich und sehr schnell. Die unglücklichen Jahre in einer aufreibenden Ehe, eine Zeit, die er hauptsächlich mit Arbeit gefüllt hatte, forderten ihren Tribut.

Er erkrankte an Bauchspeicheldrüsenkrebs, der bereits im Endstadium war, als er entdeckt wurde. Helga durfte noch nicht einmal zu seiner Beerdigung fahren, sie war unerwünscht. Sie weinte sich die Augen aus, nur noch ihre Freundin Marie-Lou ließ sie zu sich. Das Testament, das er noch zu ihren Gunsten geändert hatte, wurde angefochten. Doch das kümmerte sie nicht. Sie war zerbrochen, in ihrer Trauer noch schöner als je zuvor. Nur ihr Kind, die Liebe und die Sorge um den heranwachsenden Nicolas, den Frederick wie einen Vater geliebt hatte, hielt sie davon ab, eine Dummheit zu begehen. Auch wenn sie ihr Jetset-Leben weiter verfolgte, auch wenn sie ihre Roben selbst entwarf, auch wenn sie an Partys und Empfängen teilnahm, sie war nie wieder sie selbst, so wie sie es in den Armen dieses Mannes gewesen war.

Ab und zu holte sie das Collier hervor, streichelte es, und dachte an ihn. Sie wusste nicht, ob sie dem Schicksal dafür danken oder es verfluchen sollte, eine solche Liebe erlebt zu haben, die ihr nach so kurzer Zeit wieder weggenommen wurde. Ihre wunderschönen Augen waren für immer traurig geworden, denn eine Änderung erschien ihr ausgeschlossen. Irgendwann hielt sie das alles nicht mehr aus und sie zog anonym in die Universitätsstadt, wo sie ein Studium der Kunstgeschichte begann, und, nach ihrer Scheidung von Ismael, einige Zeit später aus gesellschaftsrelevanten Gründen ihren homosexuellen Schulfreund Franz heiratete, der in dieser Stadt ein recht bekannter Architekt war.

Himbeeren hat sie nie wieder gegessen.

To be continued …

Eure Viola

 


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