Das fehlende Kapitel – Teil IV

Eine magische Geschichte für mein Buch „Bar Sevilla“, die aus Platzgründen nicht veröffentlicht wurde, hier nun in Fortsetzungen.

Sie fingen an zu reden und konnten es nicht lassen, einander in die Augen zu schauen und zu starren. Frederick schließlich nahm ihr Bein, das sie auf dem Barhocker sitzend, elegant über das andere geschlagen hatte, und zog ihren kostbaren Schuh aus. Einen Augenblick lang stockte ihr der Atem. Ihre braunen gepflegten Füße konnten sich sehen lassen, sie waren schön geformt, nicht zu klein, die Haut auch hier zart. Er lächelte sie an, und tat nichts anderes, als ihren Fuß zu streicheln.

Helga wusste: sie hatte den Mann ihres Lebens gefunden. Er gestand ihr, noch verheiratet zu sein, mit einer kühlen Engländerin aus einer noblen Familie, die ihn aus Gründen der Etikette nicht gehenlassen wollte. Geliebt hatten sie sich wohl nie, geschlafen hatte er vor sechs Jahren das letzte Mal mit ihr – gefallen hatte es ihm sowieso nie. Er nannte ihr auch den Namen seiner Firma, und es wurde klar, dass er steinreich sein musste. Nachdem er ihren Fuß eine Weile gestreichelt hatte, zog er ihr den Schuh wieder an und begleitete sie zur ihrer Suite. Er verlangte nichts, und sie war nicht in der Lage, mehr zu geben. So verließen sie einander, ungewiss, ob sie sich je wiedersehen würden, denn er würde am nächsten Morgen sehr früh abreisen, ohne sie geweckt zu haben.

Helga war aber nicht traurig, als sie in ihren spanischen goldenen Käfig zurückfuhr, sondern sie wusste, sie würde ihn wiedersehen, und hatte endlich die Kraft, ihre Koffer zu packen. Ihren Sohn ließ sie, unter größter Überwindung bei seinem liebevollen Vater, ihr unstetes Leben war nichts für ein Kind. Dagegen war Marie-Lou wie immer stets an ihrer Seite.

Einige Zeit später trafen sie Frederick tatsächlich wieder, in Paris, bei einer Modenschau. Sie kaufte schon lange nicht prêt-à-porter, sie ließ nach ihren eigenen Entwürfen anfertigen. Ihr feiner Spürsinn und ihr Instinkt ließen sie wissen, dass dieses Mal etwas ganz anders sein würde, und sah sie ihn auch gleich. Er schien regelrecht auf sie gewartet zu haben, als sie ihren Stammplatz bei Chanel einnahm. Sie lächelten sich an – nichts würde sie mehr trennen können, außer dem Tod. Nach der Schau ging sie einfach mit ihm mit, er hatte sich in der Zwischenzeit von seiner Frau, trotz größter Widerstände der Familie, scheiden lassen.

Frederick liebte große, traditionsreiche Häuser, und hatte seine eigene Suite in einem der ältesten und schönsten Hotels der Stadt. Als wären sie schon immer ein Paar, liefen sie schweigend nebeneinander im Gleichklang ihrer Schritte, betraten das Hotel, grüßten den Portier und fuhren zu ihm hinauf. Mit einem Glas Champagner in der Hand genossen sie den grandiosen Blick über die abendliche Stadt, das Lichtermeer mit dem Eiffelturm im Hintergrund. Sacht küsste Frederick seinen blonden Engel, und beinahe, wäre das körperliche Verlangen nicht doch zu groß gewesen, hätten sie die Nacht damit verbracht, ihr seelisches Verschmelzen beim Warten auf den Sonnenaufgang zu intensivieren.

Zu Helgas großem Erstaunen hatte dieser Traum von einem Mann dennoch zunächst Probleme, zu lange schon war ihm der Appetit auf eine Frau verlorengegangen, sein Begehren war langsam eingeschlafen. Aber er erwies sich auch in dieser Hinsicht als vollkommener Gentleman, denn er sorgte dafür, sie auch in erotischer Hinsicht trotz seines Handicaps glücklich zu machen.

Als Dankeschön bestellte sie am nächsten Tag zum Frühstück Himbeeren. Seinen erstaunten Blick quittierte sie mit einem Lächeln, das dem der Mona Lisa in Nichts nachstand. Während er wartete, was wohl passieren würde, nahm sie eine Frucht nach der anderen und zog sie langsam auf ihren kleinen Finger, wie Ringe aus magentafarbenem Fruchtfleisch.

Sie streckte ihm den Finger hin und nun begriff er. Er nahm ihre Hand und knabberte die süßen Beeren von ihrem Finger, den Saft leckte er sorgfältig ab, saugte anschließend, als ob es da noch mehr aufzunehmen gäbe und küsste dann ihre Fingerspitzen. Sie wiederholten die Prozedur, bis es bei ihm eindeutig keine Probleme mehr hinsichtlich seiner Männlichkeit gab, und diesmal konnte auch er seinen Wünschen, die er solange vergraben hatte, freien Lauf lassen.

Eure Viola


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