Carwars

Carwars – Krieg der Rollatoren und Kinderwagenkampfhennen

Bei Aldi gab es im Herbst irgendwann einmal Rollatoren zu einem unglaublich niedrigen Preis (obwohl mit diesem „Slogan“ eine andere Firma Werbung macht). Das führte wohl zum massenhaften Ankauf dieser Gehhilfe, auch von Menschen, die sie bei genauerem Hinschauen gar nicht nötig haben.

Nun fahre ich beinahe täglich mit der Straßenbahn zu den verschiedenen Schulen in Mannheim, bei denen ich für Deutschförderung für Migrantenkinder eingesetzt werde. Und dabei ebenso fast tagtäglich folgendem Schauspiel beiwohnen darf. Natürlich zu den Stoßzeiten, versteht sich.

Die Mütter bringen ihre Kinder in den Hort, nicht wenige dabei in größeren Gruppen und teilen sich den ohnehin knappen Platz. Der ist eigentlich für Rollstuhlfahrer vorgesehen. Egal, irgendwie müssen die Wägen ja verstaut werden. Das eigentliche Problem ergibt sich, wenn jetzt auch noch die Rollatorfahrer mit Gebrüll und Macht zu ihnen aufschließen.
Nicht nur sammeln sie sich, kaum ist die Tram in Sichtweite, dem Herdentrieb folgend vor den sich bald öffnenden Türen, nein, sie schieben alles beiseite, was vielleicht auch noch mitfahren möchte.

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Innen stehen nun vor dem Eingang mehrere Gehhilfebesitzer vereint mit den Müttern zu einer gemischten Mitfahrgelegenheit und beäugen sich misstrauisch. Wer hat hier nun ältere Rechte und wer ist die stärkere Partei?
Kindergeschrei versus lautstarkes Genörgele.

Wer jetzt aussteigen möchte hat keine Chance. Auch ohne Aussicht auf erfolgreiche Mitnahme sind die Rollstuhlfahrer, die leider draußen bleiben müssen. Sie sind die Verlierer im Krieg um die Stellplätze. Denn selbst, wenn sie sich einen Platz erkämpft haben, müssen sie sich nach den Vorschriften der Verkehrsverbünde an genau denen aufhalten, die auch für sie vorgesehen sind. Tun sie das nicht, müssen sie im Falle eines Unfalls selber blechen.

Die Rollatorfraktion stört das nicht, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, und die Mamas mit den Blagen fahren meist sowieso nur wenige Stationen.

Wohl dem, der ein Fahrrad hat und es benutzen kann. Zum Glück beginnt ja bald der Frühling.

Bild © Alexandra Navrade


1 Kommentar

  1. Das entspricht leider der Wahrheit, entbindet aber den VRN nicht von seiner Pflicht, mehr Behindertenplätze zu schaffen. Gerade jüngere Menschen haben sehr viel Verständnis für die Probleme Gehbehinderter, und räumen meistens sofort ihren Platz.Offenbar versagt da aber die Politik, die wir selbst wählen, die aber unfähig ist, Probleme zu lösen, weil sie vordergründig damit beschäftigt ist, sich selbst zu verwalten. Wer da Greichenland verurteilt, sieht die Probleme vor der Haustür nicht.

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