Als der Postmann (noch) zweimal klingelte …

Als eines der einschneidendsten Zeichen unserer modernen Welt erscheint mir auch der Umgang mit der täglichen Post. Früher hat man den Briefträger noch persönlich gekannt, freundlich gegrüßt und ihm zu Weihnachten 5 oder 10 DM am Briefkasten hinterlassen. Man konnte sicher sein, dass ein wie auch immer falsch adressierter Brief doch an der richtigen Adresse landete, weil man sich persönlich kannte – über Jahre hinweg. Natürlich auch die Hunde …

Tatsächlich kommen auch heute noch echte, reale Briefe oder Päckchen ins Haus, sei es vom Finanzamt, der Wurfsendung von Netto, eine Benachrichtigung der Stadtwerke oder der neue Katalog der Wagen- und Waffenmanufaktur. Alles andere per E-Mail oder Whatsapp. Daher sieht man recht selten den Überbringer der nicht immer guten Neuigkeiten, aber auch, weil sich dessen Erscheinungsdatum wöchentlich ändert. Dadurch kann natürlich kein Erinnerungsvermögen aufgebaut werden, und die Ambition, einen kryptischen Brief letztlich doch noch richtig zuzustellen. Wahrscheinlich liegt es auch an einem wesentlich vergrößerten Einzugsgebiet für die überforderten Mitarbeiter der Deutschen Post, aber wenn zweimal hintereinander ein Brief nicht beim Adressaten ankommt, der beim ersten Mal einen Zahlendreher in der Hausnummer einer relativ kleinen Straße enthielt, und beim zweiten Mal richtig adressiert war, dann darf man sich doch gepflegt wundern.

Schließlich löste sich auf der Post das Rätsel: Der DIN A4 Umschlag hatte ein Fenster, das aber ungenutzt geblieben war, die Adresse stand in Großbuchstaben fett direkt darunter. Ein Automatismus im Postvertrieb konnte das aber nicht lesen, daher kam die Sendung zweimal wieder zurück, das wäre sie auch ein weiteres Mal, hätte man nicht inzwischen den Umschlag gewechselt und erneut gekauft, zum dritten Mal.

Nicht, dass alles früher besser war, aber da hatte der Postmann lieber zweimal geklingelt, Überraschungen inklusive.

Eure Viola

Bild: Günter Dürr


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