1, 2 oder 3 – Avatare, Masken und Märchen

Bekanntlich gibt es ja nichts, was es nicht gibt …und Männer, die an Größenwahn leiden, mögen soziale Netzwerke scheinbar besonders gerne. Künstlerinnen gelten dieser Spezies scheinbar am ehesten geeignet für ihren Beutezug, denn, wie jeder brave Biedermann weiß, führen die ein Lotterleben. Somit als Ehegattin völlig ungeeignet und daher meistens auch ausgehungerte Singles!

Weil ihnen aber der Hauch von Verruchtheit und das Charisma der Kreativität vorauseilt, empfiehlt es sich allein stehenden Herren besonders an diese Opfer der bourgeoisen Gesellschaft heran zu robben, in der wir – in den Augen der Jäger – noch immer leben. Also eröffnet man(n) einen Account und los kanns gehen. Unter dem Deckmäntelchen des Kunstinteresses werden interessante Profile geadded, denen dann sogleich eine schmeichlerische Privatnachricht folgt. Die erstaunte Frau wird um ihre Telefonnummer gebeten, mit dem Hinweis, sie würde es nicht bereuen. Da ihr dann spätestens etwas schwant, fragt sie unschuldig nach, warum sie „nichts“ bereuen würde. Und bekommt die vertrauliche Antwort, er (über sich selbst!!) sei ein ganz wunderbarer Mann, einfühlsam und zärtlich. Auf der Suche nach einer festen Beziehung. Sie möge sich doch bitte einfach einmal anrufen lassen, dann würde sie schon sehen – und spüren ….

Noch besser ist allerdings die Idee, neben dem regulären Account noch einen zweiten, oder gar dritten zu eröffnen, nichts leichter als dies. Fotos hat man mal eben schnell aus dem Netz herunter geladen, und so wirkt das Ganze erst einmal echt. Ist der echte Betreiber des Kontos nach eigenem Bekunden gut verheiratet und glücklicher Vater eines lieben Kindchens, daneben sogar noch ein berühmter, vielsprachiger Kunsthandwerker, so liest es sich im Avatar ganz anders.

Da ist er Single, 20 Jahre jünger, muskulös und ein echter Womanizer. Er verteilt nach Herzenslust die dollsten Komplimente, ganz nach dem Bedarf der Frau. So wird die eine unvergleichlich schön gefunden, die andere ist eine große Künstlerin, die dritte eine über die Maßen kluge und begabte Fremdsprachenlehrerin und so weiter. Im dritten Auftritt hat er dann sogar die Hautfarbe gewechselt, und ist nun ein berühmter schwarzafrikanischer Schriftsteller, der Erotik schreibt. Natürlich besonders für weibliche Singles mittleren Alters, da diese ja so gerne in exotische Länder reisen, um sich dort beglücken zu lassen.

Zu dumm nur, dass – nach seiner eigenen Aussage – die Menschen männlichen Geschlechts dort ein eben solches in markantem Ausmaß haben und die Mitteleuropäerinnen damit erschrecken, wenn nicht gar verletzten können! So ein Ärger aber auch. Dann doch lieber lesen und sich geistig verführen lassen. Das geht am besten, wenn man als Autor über die Wünsche und geheimen Sehnsüchte Bescheid weiß und mit der neuen Freundin quasi schriftliche Feldstudien für den nächsten Bestseller anstellt (anstellen möchte).

Nur sollte man(n) etwas mehr Geschick und Intelligenz bei Erzählen der neuen Märchen aus 1001 Nacht beweisen. Denn neben anderen Auffälligkeiten waren es ein und derselbe Sprachduktus, dieselben Tippfehler und die „englische“ Tastatur bei allen dreien, die so seltsam übereinstimmend schienen. Besonders aber verwunderte es die chattenden Detektivinnen, dass keiner der Herren zu googeln war – trotz internationalen Ruhms. Sie waren auch nicht via soziales Netzwerk miteinander befreundet, obwohl sie sich gegenseitig empfohlen hatten. Alle 3 waren sogar am selben Tag in das virtuelle Leben der Damen getreten. Zwei verrieten sogar im Eifer des Gefechts, dass sie denselben Geburtsort hatten!

Im Internet sind Masken viel leichter aufrecht zu erhalten als im real life, aber ein bissl trickreicher sollte man(n) sich schon anstellen, sonst ist man 1,2,3 aufgeflogen.

PS Märchen erzählen kann sowieso besser ich!

Eure Viola


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